Zur Debatte gestellt: Eiweiß in einer veganen Sportlerernährung

SIEHE AUCH DAS UPDATE AM ENDE DES ARTIKELS

Anlass ist folgender Artikel, der (mal wieder) gleich in der Überschrift davon spricht, "wie wichtig Eiweiß für Vegetarier ist". In der nächsten Zeile wird man dann genauer: Es geht besonders um vegetarisch lebende Sportler, was eine kurze Gedankenkette bei mir auslöst:
  1. "Oh ja, für Sportler macht es Sinn, ihre Ernährung unter besonderen Gesichtspunkten zu betrachten."

    welcher gleich wieder abgelöst wird von
  2. "Moment mal - wieso Vegetarier?! Sollten nicht alle Sportler auf ihre Ernährung bzw. Balance aller Nährstoffe inkl. Eiweiß achten?"
Im Kopf habe ich zum Thema Eiweiß nämlich, dass
  • eine omnivore Ernährung, zu viel Eiweiß enthält und das mit vielen Krankheiten in Verbindung steht.
  • gesundes Eiweiß vom Körper selbst aus Aminosäuren zusammengebaut wird, letztere gespeichert werden und man daher nicht extra darauf achten muss, bestimmte Nahrungsmittel zu kombinieren.
  • Veganer weniger Gefahr laufen, bei der Ernährung die Gesundheit beeinträchtigende Fehler zu machen als Omnivore, da einfach viele ungesunde Lebensmittel wegfallen.
Bei kurzer Suche nach Belegen fand ich jedoch keine ausreichenden Quellenangaben, keine Verweise auf Studien etc. Wonach ich suche sind Antworten auf die Frage "Müssen Vegetarier/Veganer mehr auf Eiweiß achten als Omnivore?" und die gleiche Fragestellung in Bezug auf Sportler.

Wer kann etwas dazu sagen und es auch schulmedizinisch bzw. wissenschaftlich anerkannt belegen?


UPDATE (2.9.2012)
Ich habe per Email den Hinweis auf einen Artikel zum Thema von Dr. K.-J. Moch, Akademischer Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaft an der Universotät Gießen, bekommen. Auch wenn das Wort "ganzheitlich" im Zusammenhang mit der Quelle auftaucht und ich dieses schnell mit esoterisch und unwissenschaftlich verbinde, so machen der Artikel und auch der Autor durch seine o.g. Position einen soliden und vertrauenserweckenden Eindruck. Für mich die ist die Frage damit gelöst:
Veganer und Vegetarier, auch die Sportler unter ihnen, müssen sich auf keinen Fall mehr Gedanken über ihre Eiweißversorgung machen, als Nicht-Vegetarier/-Veganer.

Kommentare:

  1. Danke für den schönen Denkanstoß! Eine kurze PubMed-Recherche in meiner Mittagspause hat schonmal kein passendes Ergebnis geliefert. Deshalb gibts jetzt doch nur meine persönliche Meinung:

    Ich kann mir vorstellen, dass der Hinweis "Vegetarier müssen besonders auf die Eiweißzufuhr achten" aus der noch häufig anzutreffenden Vorstellung entspringt, eine vegetarische Ernährung sei quasi eine "konventionelle" Ernährung minus das Fleisch. So verstanden macht der Hinweis durchaus Sinn.

    Vegetarier und Veganer müssen insofern besonders auf Protein achten als sie pflanzliche Eiweißquellen in ihre Ernährung integrieren müssen, die in ihrem "früheren" Leben als Fleischesser nur selten oder gar nicht auf dem Speiseplan standen: Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh etc.

    Wenn sich der Hinweis an "neue" bzw. noch wenig erfahrene Veggies richtet ist er m.E. also durchaus vertretbar. Wenn er aber suggeriert, dass es mit einer vegetarischen/veganen ernährung grundsätzlich schwierig ist, seinen Proteinbedarf zu decken, finde ich das immer sehr nervig.

    Und was die Sportler betrifft - hier macht es m.E. durchaus Sinn, nach einer harten Belastung zwecks Regeneration einen proteinhaltigen Snack zu sich zu nehmen. Das entspricht meiner subjektiven Erfahrung als Läufer und ist soweit ich weiß auch wissenschaftlich gut belegt (ich recherchiere dazu gerne noch mal und liefere das nach).

    Bin gespannt auf weitere Diskussiosbeiträge!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Daniel, das hast du sehr schön zusammengefasst :)

      ich persönlich stocke meinen protein-intake stellenweise mit eiweißshakes auf, aber das machen omnivore sportreibende ja auch.

      Löschen
    2. Hey Daniel,
      ich kann dir in den meisten Punkten ebenfalls nur beipflichten.
      Nur klingt es dann doch wieder so, als müsste man nun fast zwingend Sojaprodukte essen. Geht doch auch wunderbar ohne, oder?
      Ich bin natürlich ein großer Hülsenfruchtliebhaber: Ob Tofu, Seitan (die Mutter aller Hülsenfrüchte), Bohnen oder Linsen - Zack - ab in meine Pfanne, ihr Schlawiner!
      LG Lutz

      Löschen
  2. Laut DGE steigt der Bedarf an Eiweiß bei körperlicher Aktivität NICHT. http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=90
    Und ja, Normalesser nehmen eigentlich sogar zu viel Eiweiß zu sich, Veganer liegen im optimalen Bereich, es sei denn, sie reduzieren ihre Kalorienzufuhr zu stark. Mehr dazu hier:
    http://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/category/fragen/wie-komme-ich-an-protein/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ich kann nicht verstehen, wenn veganerInnen sich immer auf die DGE beziehen. bis vor kurzem haben die veganismus noch *generell* für alle bevölkerungsgruppen als nicht empfehlenswert weil gesundheitsgefährdend deklariert.
      jetzt erst fangen die langsam an zu zurückzurudern. und auch sonst ist die in vielen fällen nicht grade auf dem neuesten stand.

      Löschen
    2. Naja, wer weiß... auch ein Haufen Lobbyisten kann ja nicht mit allem Unrecht haben... ich hab hier auch sone Nährwerttabelle von der DGE, woher wüsste ich sonst, dass man mit 10 kg Käsesahnetorte seinen täglichen Bedarf an Vitamin C decken kann. *hihi*
      LG Lutz

      Löschen
    3. Hey Jane,
      trotz dem bissigen Kommentars unten, danke ich dir vielmals für deinen Beitrag. Ich bin vielleicht kein großer DGE-Fan schließe aber nicht aus, dass sie in diesem Fall recht haben. Da würde mich mal ne zweite Meinung interessieren.
      Den anderen Link finde ich sehr interessant. Nährwerte mal nach Kalorien betrachtet scheint doch noch mal eine geeignete Methode zu sein um bestimmte Sachverhalte zu verdeutlichen.
      Vielen Dank und lieben Gruß
      Lutz

      Löschen
    4. meintest du mich mit "bissigem kommentar"? ?_?

      Löschen
    5. Nee sorry, ich meinte meinen "Naja, wer weiß..."-Kommentar. Ich dachte irgendwie er würde direkt unter Janes und über deinem Beitrag auftauchen. Und dann hab ich auch noch weiter zum Niedergang vom Genitiv beigetragen. *hihi*
      LG Lutz

      Löschen
    6. Hey Lutz,
      ich stimme der DGE auch nicht in allen Punkten zu, trotzdem bin ich der Ansicht, dass man sie deswegen nicht komplett verteufeln sollte (genauso wie man besser nichts in den Himmel hebt - auch nicht die China Study). Und der von mir verlinkte DGE-Artikel zitiert durchaus glaubwürdige Quellen und wirkt in seinen Schlussfolgerungen nicht voreingenommen.

      Löschen
    7. Hey jane,
      ich finde auch, dass sich die Aussagen im DGE-Artikel solide anhören und ich meinte das auch so als ich sagte, sie könnten ja nicht mit allem Unrecht haben. Dennoch würde mich eine zweite Meinung interessieren, da ich hier einfach nicht unvoreingenommen bin.
      Ich traue weder DGE noch China Study richtig über den Weg. Mit einem ironischen Lächeln und dennoch mit vollem Ernst gefällt mir das Ergebnis des Tim Mälzer Ernährungscheck am besten, der hier wohl zurecht in der Luft zerrissen wird.
      LG Lutz

      Löschen
  3. Hallo!
    Lt. der "China-Studie", die ich nur jedem ans Herz legen kann, ist das tierische Eiweiß, speziell das in der Milch enthaltende Kasein das Problem für die Erkrankungen wie Typ 2-Diabetes, KHK, Autoimmunerkrankungen wie MS und Typ-1-Diabetes.
    Ich habe meinen insulinpflichtigen Diabetes Typ 2 dank veganer Ernährung, täglichem Ausdauersport (ca. 2 Stunden) und Gewichtsreduktion im Griff und brauche keinerlei Medikamente/Insulin mehr.

    Ich ernähre mich nach LOGI, sprich: viel Gemüse, Obst, Eiweiß in Form von Soja und anderen Hülsenfrüchten und viel gesundes Fett (Öl, Nüsse). Ich esse nach Appetit und schaue nicht nach Kal. oder wieviel g. Eiweiß ich zu mir nehme (meist ca. 100-200 g Tofu / Sojafleisch / Natursojajoghurt) und fahre damit total gut!

    Von Eiweißshakes halte ich nichts, ich hatte mal den reinen Sojadrink "Soja88" von Dr. Ritter, aber ich mag diese Drinks nicht, sondern esse lieber angebratenen Naturtofu :-). Aber jedem das Seine!

    Ach so: Die "China-Studie" ist übrigens auch verfilmt (im Original "Forks over knives") und erscheint Ende September endlich auch in Deutsch "Gabel statt Skalpell", hier der Link zu dem Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=PyejhJeInzQ

    Viele Grüße aus der Nachbarschaft!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. sehr gute kritk an der china-studie: http://vegane-gesellschaft.de/index.php?url=archives/61-Die-China-Study-und-die-Unkritischen.html

      Löschen
    2. Hey Nina,

      es freut mich sehr, dass die vegane Ernährung einen zentralen Beitrag zur Verbesserung deiner Gesundheit geleistet hat.

      Ich bin ja immer skeptisch, wenn eine Ernährungsweise als Lösung "aller" gesundheitlichen Probleme angepriesen wird. Das ist auch bei der veganen Ernährung so. Zumal stets die Dosis das Gift macht und ein Leichenteil (z.B. "Steak") von Zeit zu Zeit den wenigsten Menschen Schaden wird. Dem Opfer aber durchaus.
      Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Zusammenhänge in der Ernährung für mich schwerer zu begreifen sind als die ethischen Überlegungen, die zum Veganismus führen.

      Mir wurde kürzlich angeboten, den von dir genannten Film zu rezensieren, was ich rüde ablehnte... hmm.
      LG Lutz

      Löschen
    3. Hey iLL.One,
      die kommst mir hier heut ja an jeder Ecke zuvor.
      Vielen Dank für den Link. Das Fazit bestätigt auch etwas meine Bedenken.
      LG Lutz

      Löschen
    4. *gg* sorry. ich werde versuchen, mich in damenhafter zurückhaltung zu üben. (vielleicht)
      ;D

      Löschen
  4. Hatte mal eine Zeitlang recht intensiv Sport betrieben und da ist es sicherlich sinnvoll sofern Muskelaufbau erwünscht ist, die Eiweisszufuhr zusätzlich zu erhöhen. Die Energie kommt zwar eher aus den Kohlenhydraten und evtl. vorhandenen Fettreserven, aber zum Aufbau der Muskelmasse wird schon zusätzliches Eiweis benötigt. Hatte damals zumindest im Eigenversuch ganz gut funktioniert.

    Habe im Moment leider die passenden Links nicht mehr. Einige Aufsätze im Umfeld der Sporthochschule Kölln waren da ganz aufschlussreich und diverse Foren im Kraftsportbereich.


    Für die "normale" Ernährung genügt es aber sicherlich regelmässig Hülsenfrüchte und Nüsse in den Speiseplan einzubauen. Die Eiweisfrage betrachte ich ansonsten für erwachsene Personen ohne extreme Anforderungen eher als überbewertet.

    Kinder, Heranwachsende und schwangere Frauen sind da jedoch sicherlich anders zu bewerten.

    AntwortenLöschen
  5. Erstmal danke für den Link mit der Kritik an der Chinastudie.

    Ich sehe es im Prinzip genauso wie Du, Lutz. Die Dosis macht das Gift.
    Und ich bin auch der Meinung, dass es nicht nur eine Ursache (sprich: lt. Chinastudie das tierische Protein) für Krankheiten gibt, sondern dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen.

    Wir sind alles Individuen.

    Mir zb geht es viel besser mit den wenigen Kohlenhydrante (nach der LOGI-Methode)und der vielen Rohkost, die ich jetzt esse, meinem Lebensgefährten ging es damit so schlecht, dass er sogar mit Dauerdurchfall und Krämpfen auf der Notaufnahme gelandet ist.

    Ich denke, man muss schauen, welche Form der Ernährung für einen stimmig ist.

    Es sollte nicht so erscheinen, als sei die Chinastudie meine Bibel, das ist nicht so. Trotzdem freue ich mich auf den Film. Und wenn Menschen sich deshalb für den Veganismus entscheiden, hat er doch etwas Gutes getan:-).

    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
  6. Ich habe nun ein Update hinzugefügt, welches die Fragestellung löst und auf eine Quelle verweist, die die Antwort wissenschaftlich fundiert belegt.

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Leute,

    Die Annahme daraus, dass Vegetarier/Veganer auf Eiweiß zurückgreifen sollten, ist daraus enstanden, dass die biologische Wertigkeit des tierischen Eiweißes höher als die des pflanzlichen ist...

    Das ist so auch korrekt, doch mit genügend Zeit kann der Körper auch aus pflanzlichen Eiweißen die entsprechenden Aminos auflösen.

    Zu den Aminosäuren ist zu sagen, dass wir die essentiellen schon brauchen, um die restlichen der 20 überhaupt herzustellen, dass heißt schon das der Bedarf da gedeckt werden sollte.

    Bei Sportlern sieht es so aus, dass ein Shake oder dergleichen nicht benötigt wird, aber bei vielen Umfängen gewisse Aminosäuren Sinn machen um sich vor KAtabolismus zu schützen!

    AntwortenLöschen

WENN IHR "ANONYM" KOMMENTIERT, IST DIES AUCH DER ANGEZEIGTE NAME.
Wenn möglich, nutzt bitte "Name/URL" - gern mit Fantasienamen und das URL-Feld kann man auch einfach frei lassen. :)

Impressum