Stell keine Fragen! Iß!

UPDATE 12.11.2012: Sojade ist jetzt vegan und es wurde bestätigt, dass Wilmersburger nicht aus eine Käsefabrik stammt. :)

Ich hab ein wunderschönes Gedicht geschrieben über Desinformation und wie das Gehirn aussetzt, wenn wir uns etwas ganz doll wünschen. Jetzt geht's los:
"Die Scheiben klingen nach einem vielversprechenden tollen neuen Produkt.
Skeptisch wie ich bin muss ich dennoch fragen: Wo werden die Wilmersburger Produkte eigentlich hergestellt? Habt ihr eine eigene Produktionsstätte oder kommen die Produkte aus einer Käsefabrik?"
Wieso wurde meine Frage auf der Facebook-Seite von Wilmersburger bloß schon zweimal gelöscht?! Wurde vielleicht befürchtet, dass deren Beantwortung weitere unangenehme Fragen nach sich zieht. Ja, die wären wohl gekommen...
Jetzt stell keine Fragen! Iß!


Oh ja, Sojade ist so unglaublich vegan. Neueste Antworten auf Produktanfragen enthalten nun endlich einen Hinweis auf die Nährmedien:
"Les ferments utilisés sont cultivés exclusivement sur des végétaux." - zu Deutsch: "Die verwendeten Fermente werden ausschließlich auf Pflanzen kultiviert."
Ob das im Französischen auch so gebrochen klingt? Man kann natürlich einem Hersteller, der sich jahrelang zu diesem Thema ausgeschwiegen hat sofort glauben, wenn er so eine unspezifische Aussage macht. Immerhin liegt die Vermutung nahe, dass er das meint, was wir hören wollen. Aber hat Sojade darauf nicht immer schon gebaut... Und warum nur werden meine spezifische Fragen nicht beantwortet wie
"1. What is the original source of the used bacteria cultures before they were cultivated by you or your deliverers? If you cannot answer in detail just tell me, if they are derived from an animal source like for example a milk product or a plant based source like for example algae.
2. If the source of the bacteria is an animal one: Do you continuously need this source or are the bacteria cultivated now completely without the source?
3. If the source is animal but you do not need it anymore for cultivation: Since when have you stopped using the source for cultivation?
4. Do you use any animal product for the breeding grounds of the bacteria cultures (like for example gelatin or milk products)?
5. Are the bacteria cultures in the breeding grounds fed with lactose or any other animal product?
6. Are animal products or animals themselves involved in any way in the production process?
7. Can your answers completely be applied to all Sojade products?
8. Can your answers completely be applied to the Sojade products one can buy in Germany?
9. Where are the Sojade products one can buy in Germany produced?"
Ach, ich Dummerchen mit meinen ganzen Fragen: "Die verwendeten Fermente werden ausschließlich auf Pflanzen kultiviert.", dass sagt doch schon alles.
Jetzt stell keine Fragen! Iß!

Zur Debatte gestellt: Eiweiß in einer veganen Sportlerernährung

SIEHE AUCH DAS UPDATE AM ENDE DES ARTIKELS

Anlass ist folgender Artikel, der (mal wieder) gleich in der Überschrift davon spricht, "wie wichtig Eiweiß für Vegetarier ist". In der nächsten Zeile wird man dann genauer: Es geht besonders um vegetarisch lebende Sportler, was eine kurze Gedankenkette bei mir auslöst:
  1. "Oh ja, für Sportler macht es Sinn, ihre Ernährung unter besonderen Gesichtspunkten zu betrachten."

    welcher gleich wieder abgelöst wird von
  2. "Moment mal - wieso Vegetarier?! Sollten nicht alle Sportler auf ihre Ernährung bzw. Balance aller Nährstoffe inkl. Eiweiß achten?"
Im Kopf habe ich zum Thema Eiweiß nämlich, dass
  • eine omnivore Ernährung, zu viel Eiweiß enthält und das mit vielen Krankheiten in Verbindung steht.
  • gesundes Eiweiß vom Körper selbst aus Aminosäuren zusammengebaut wird, letztere gespeichert werden und man daher nicht extra darauf achten muss, bestimmte Nahrungsmittel zu kombinieren.
  • Veganer weniger Gefahr laufen, bei der Ernährung die Gesundheit beeinträchtigende Fehler zu machen als Omnivore, da einfach viele ungesunde Lebensmittel wegfallen.
Bei kurzer Suche nach Belegen fand ich jedoch keine ausreichenden Quellenangaben, keine Verweise auf Studien etc. Wonach ich suche sind Antworten auf die Frage "Müssen Vegetarier/Veganer mehr auf Eiweiß achten als Omnivore?" und die gleiche Fragestellung in Bezug auf Sportler.

Wer kann etwas dazu sagen und es auch schulmedizinisch bzw. wissenschaftlich anerkannt belegen?


UPDATE (2.9.2012)
Ich habe per Email den Hinweis auf einen Artikel zum Thema von Dr. K.-J. Moch, Akademischer Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaft an der Universotät Gießen, bekommen. Auch wenn das Wort "ganzheitlich" im Zusammenhang mit der Quelle auftaucht und ich dieses schnell mit esoterisch und unwissenschaftlich verbinde, so machen der Artikel und auch der Autor durch seine o.g. Position einen soliden und vertrauenserweckenden Eindruck. Für mich die ist die Frage damit gelöst:
Veganer und Vegetarier, auch die Sportler unter ihnen, müssen sich auf keinen Fall mehr Gedanken über ihre Eiweißversorgung machen, als Nicht-Vegetarier/-Veganer.

Ist Ritter Sport vegan?

Noch einmal darauf gestoßen durch die die (UPDATE: bereits beendete) Foodwatch-Email-Aktion zum Thema versteckte Tierprodukte, wollte ich noch einmal genau wissen, was mit Ritter Sport-Schokolade so los ist. Auch wenn die Schokolade für mich ohnehin nicht in Frage kommt.

Im Folgenden findet Ihr einen auszugsweisen Einblick in die Kommunikation zwischen mir und dem Hersteller von Ritter Sport (Alfred Ritter GmbH & Co. KG - im Folgenden einfach "Ritter Sport" genannt). Aus rechtlichen Gründen unterlasse ich es größere Parts von Ritter Sport zu zitieren:

[Anfang der Kommunikation]

Laubfresser (6.8.2012):
"[...]ich wundere mich über den von Ihnen auf Ihrer Webseite angegebenen Laktoseanteil von 0,4 % in der Ritter Sport Marzipan. Wie kann es trotz Reinigung der Anlagen und Gerätschaften zwischen dem Sortenwechsel zu einem so hohen Laktoseanteil in einer laut Rezeptur laktosefreien Schokolade kommen?[...]"

Am 7.8.2012 schickte Ritter Sport mir einen Textbaustein, der mir schon in zwei Varianten bekannt war. Kernaussage war, dass milchhaltige und milchfreie Schokoladen mit den gleichen Anlagen produziert würden und dass es daher zu Spuren kommen könne, welche auch nicht für alle Tafeln einer Charge gleich hoch seien.

Laubfresser (7.8.2012):
"[...] Wie kann es trotz Reinigung der Anlagen und Gerätschaften zwischen dem Sortenwechsel zu einem so hohen Laktoseanteil in einer laut Rezeptur laktosefreien Schokolade kommen?
Oder findet die Reinigung nicht zwischen dem Sortenwechsel statt?[...]"

Am 8.8.2012 teilte Ritter Sport mir unter anderem mit, dass die unterschiedlichen Schokoladenmassen sowohl für milchhaltige als auch für milchfreie Sorten durch die gleichen Rohrleitungen und Behältnisse geleitet würden und hierdurch Laktose in milchfreie Sorten eingetragen werden könne. Zudem spricht Ritter Sport davon, dass sich dies auch nicht durch die (nicht näher definierte) praktizierte "gute Herstellungspraxis und Hygienemaßnahmen" verhindert ließe.

Laubfresser (8.8.2012):
"[...]1. Werden besagte Rohrleitungen und Behältnisse stets zwischen dem Sortenwechsel von einer milchhaltigen Sorte auf eine milchfreie Sorte gereinigt?
2. Falls ja und angenommen man könnte in Rohrleitungen und Behältnisse hineinsehen: Wären diese nach erfolgter o.g. Reinigung zumindest optisch frei von Schokoladenmasse?[...]"

Am 10.8.2012 antwortete Ritter Sport ausweichend, dass die Reinigung der Gerätschaften nach genau vorgegebenen Richtlinien erfolge, welche strikt befolgt würden und dass die exakten Abläufe dieser Prozesse nicht an Dritte weitergereicht würden um interne Betriebsabläufe und deren ausgearbeitete Strategien zu bewahren. Außerdem wurde ich um Verständnis dafür gebeten, dass man mir keine weiteren Informationen, wie bereits mitgeteilt, zur Verfügung stellen könne.

[Ende der Kommunikation]

Für mich klingt das doch arg danach, als würde die milchfreie Schokoladenmasse auf die Reste der milchhaltigen draufgekippt und dabei spricht man dann von "Spuren von Milch" und "ausgearbeiteten Strategien" und und und...

Und um noch mal nebenbei einen rauszuhauen:
Ich könnte mir dennoch denken, dass die Schokolade den Kriterien der British Vegan Society gerecht wird: Ich gebe weiter nach Japan.

Aktion: Versteckte Tierprodukte kennzeichnen

Nie wieder Produktanfragen? Wenn Foodwatchs Email-Aktion an Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner vollen Erfolg hat, wäre das denkbar.
Wer sich in dem Formular unten einträgt fordert von Frau Aigner eine geschützte Definition der Begriffe "vegetarisch" und "vegan" als auch folgende Gesetzesänderung:
"Wo Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen Ursprungs eingesetzt werden, muss dies deutlich erkennbar sein. Das gilt auch für tierische Bestandteile in Aromen, Zusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen, die während des Produktionsprozesses zum Einsatz kommen."
Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Aktion seine Ziele in vollem angestrebten Ausmaße erreicht, denke aber, dass sie bei hoher Beteiligung wichtige Schritte in die richtige Richtung anstoßen kann.

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