V-Label "Vegan" der EVU: Starke Zweifel an der Aussagekraft

Ein Vegan-Krimi aus dem wahren Leben...



Anlass ist das Produkt "BIO Backpulver mit Reinweinstein" der Firma Biovegan, welches mit dem V-Label der Europäischen Vegetarier Union als "vegan" gekennzeichnet ist und an dessen Veganität meinerseits starke Zweifel aufgekommen sind. Auch Gespräche mit besagter Firma und dem Verantwortlichen des VEBU, welcher das Label für Deutschland vertritt, brachten kein befriedigendes Ergebnis. Zudem scheint nicht öffentlich einsehbar zu sein, welche Standards ein mit dem V-Label als "vegan" gekennzeichnetes Produkt erfüllen muss.

Meinem Kenntnisstand nach ist es sehr wahrscheinlich, dass der verwendete Weinstein aus Wein (oder Traubensaft) stammt, welcher zuvor mit Gelatine (oder anderen tierischen Stoffen) behandelt wurde.

Die Firma Biovegan versicherte mir zunächst telefonisch, dass die Entnahme des Weinsteins beim "1. Abstrich" (nach der Gärung) erfolge und erst beim "2. Abstrich" tierische Schönungsmittel zum Einsatz kommen können. Allerdings erhalte der Hersteller den Roh-Weinstein von zahlreichen Betrieben und daher nicht garantiert werden könne, dass tatsächlich jeder Betrieb o.g. Produktionspraxis habe.

Ich habe nun mit zahlreichen Winzern, Winzerverbänden und anderen Experten auf dem Gebiet Kontakt aufgenommen, von denen ich erfahren habe, dass es bei der Weinherstellung keineswegs eine einheitliche Produktionspraxis gibt.
Tierische Substanzen können sowohl vor, als auch nach der Gärung eingesetzt werden. Vom Leiter eines Weinlabors wurde mir sogar mitgeteilt, dass in 90% der Fälle eine Vorklärung des Mosts mit Gelatine stattfinde (also lange vor der Gärung und dem 1. Abstich, wie es tatsächlich heißt).

Die Firma Biovegan konnte mich nur auf die, meiner Ansicht nach unzureichenden, Aussagen seines Lieferanten und Zertifikate verweisen, welche belegen, dass der Weinstein koscher und frei von tierischen Substanzen ist (wenig aussagekräftig bezgl. einer Vorklärung des Mostes - da die Schönungsmittel ohnehin nicht im Wein verbleiben, geschweige denn im verarbeiteten Reinweinstein). Den Lieferanten wollte man mir nicht nennen und ein Angebot meine Fragen weiterzuleiten gab es auch nicht. Dafür wurde mir nahegelegt, dass es nur eine Handvoll Lieferanten für Reinweinstein gäbe und man mich ja nicht abhalten könne, selbst zu recherchieren - dafür gibt es einen Pluspunkt. :)

Gesagt getan: Ein Großhändler mit Reinweinstein im Angebot meldete sich tatsächlich mit einer Info zurück, die sich inkl. fälschlicher Verwendung des Wortes "Abstrich" und inhaltlich mit der telefonischen Auskunft der Firma Biovegan deckte.
Bei weiteren Nachfragen konnte ebenfalls "nicht vollkommen [ausgeschlossen werden], dass der Weinstein nicht doch irgendwann einmal in Berührung mit tierischen Stoffen gekommen ist".
Auf die Frage, ob es eine vertragliche Vereinbarung gibt, die die Weinbauern verpflichtet vor Entnahme des Weinsteins keine tierischen Substanzen zu verwenden, wurde mir nur bestätigt, dass die Produktionspraxis verschiedener Winzer variiert und es daher "keine einhundertprozentige Bestätigung geben kann, dass der Wein nicht schon vor Trennung des Weinsteins [...] mit tierischen Produkten in Berührung gekommen ist".
Ich fragte noch einmal, warum die Wahrscheinlichkeit in diesem Fall so gering sein soll, dass tierische Stoffe vor Entnahme des Weinsteins verwendet wurden. Schließlich wurde mit mitgeteilt, dass (1.) der Weinstein vor Verwendung tierischer Produkte entnommen werde, (2.) die vorherige Verwendung nur nicht "vollkommen [ausgeschlossen werden kann]" und hierüber (3.) "keine einhundertprozentige Bestätigung [gegeben werden] kann". Ebenso teilte ich mit, dass nach meinen Informationen verschiedener Experten das Gegenteil der Fall ist: Eine Verwendung tierischer Substanzen vor Entnahme des Weinsteins ist sehr wahrscheinlich.
Hierauf wurde nicht sonderlich eingegangen, lediglich noch einmal bestätigt, dass man die Produktionsverfahren der einzelnen Winzer nicht kenne und das dies Aufgrund der Vielzahl der Betriebe kaum möglich sei und dass man den Weinstein nicht als für vegane Produkte geeignet verkaufen könne. (Mir wurde der freundliche Tipp gegeben, mich für veganen Weinstein an einen Winzer in meiner Nähe zu wenden.)

Schließlich wandte ich mich telefonisch an den Verantwortlichen für das V-Label vom VEBU, nach dessen Informationen der Weinstein bei besagtem Produkt von einem einzigen Winzer stamme und der über Veränderungen in der Produktion stets zu informieren sei. Ich sandte ihm die relevanten Informationen noch einmal per Email zu und erhielt die Rückmeldung "der Lieferant von BioVegan hat nochmals bestätigt, dass der Weinstein gewonnen wird, bevor der Wein geklärt wird." Anbei eine Stellungnahme des Lieferanten, die mal wieder "Stufe 1" meiner Anfragen sehr ähnelt - inkl. "Abstrich".
Ich erläuterte dem VEBU-Mitarbeiter noch einmal, warum diese pauschalen Auskünfte keineswegs ausreichen, dass der Auskunftgebende vermutlich keine sonderliche Kenntnis der Materie hat (falsche Verwendung des Wortes "Abstrich") und daher auch kein Bewusstsein für eine (zu 90%) mögliche Vorklärung mit Gelatine. Zudem sei bei der nicht einheitlichen Herstellungspraxis, der hohen Wahrscheinlichkeit der Verwendung tierischer Stoffe vor Entnahme des Weinsteins, dem Beziehen des Roh-Weinsteins von zahlreichen Betrieben und den dazu im Gegensatz stehenden Aussagen des Lieferanten, ein paar Worte unerlässlich, wie die angebliche Produktionsabfolge sichergestellt wird.
Dazu schrieb ich außerdem: "Eine solch undifferenzierte Auskunft trotz Widersprüchlichkeiten zu den Gegebenheiten der Branche ohne Weiteres zur Bewertung eines Produktes für die Vergabe des V-Labels hinzunehmen halte ich für fahrlässig."
Darüber hinaus erkundigte ich mich, was aus der ursprünglichen Information geworden ist, dass der Weinstein von einem einzigen Winzer stamme.

Daraufhin wurde mir vom VEBU-Verantwortlichen lediglich knapp mitgeteilt: "mir reichen die vorliegenden Informationen und Zertifikate [Koscher- und "Gelatine-Frei"-Zertifikat] aus, um das Produkt als "vegan" zu klassifizieren."

vegane Zitronenmuffins

Verzweifelter Versuch den Frühling herbeizubacken Teil I

Ich will Frühling. Temperaturen konstant zwischen 4 und 12 Grad, einen blauen Himmel, Vogelzwitschern und Stimmengewirr auf der Strasse.
Diese leckeren Zitronenmuffins schmecken immerhin schon so luftig und frisch nach Frühling, dass es sich empfiehlt, sie mit geschlossenen Augen auf dem Sofa zu essen und nicht nach draußen zu schauen. (Aktuell in Hamburg: kalt, grau grau grau, eklige Schneeböen)
Das Rezept für die Muffins habe ich hier gefunden und nur geringfügig abgewandelt (auch wenn einige Hersteller ihr Weinsteinbackpulver als vegan bezeichnen, sind wir derzeit nicht überzeugt, dass es das auch ist).


Zutaten (für etwa 6 Muffins):
  • 150 g Mehl
  • 50 g Zucker
  • 1 1/2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Natron
  • 2 EL Speisestärke
  • eine Prise Salz
  • 100 ml Sojadrink
  • 45 ml neutrales Öl (wir haben Rapsöl genommen)
  • 2 EL Zitronensaft
  • abgeriebene Schale einer unbehandelten Bio-Zitrone
Zubereitung:
  • Alle trockenen Zutaten (Mehl, Zucker, Backpulver, Natron, Stärke und Salz), inklusive Zitronenschale, in einer Schüssel miteinander vermischen.
  • Öl, Sojadrink separat verrühren und dann den Zitronensaft dazugeben und nochmals rühren.
  • Flüssige und trockene Zutaten zusammenbringen und kurz durchrühren. Nicht zu lange, da die Muffins sonst nicht so schön aufgehen.
  • Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und den Teig in Muffinförmchen füllen.
  • Das Ganze etwa 20 Minuten lang backen.
Wir haben die Muffins nach dem Backen noch mit Zuckerguss und bunten Streuseln (z.B. von BioVegan) verziert. Lecker lecker lecker.

Grundrezept: Gebratener Tofu

Dieses Grundrezept beschreibt, wie ich Tofu anbrate, um ihn dann für alles Mögliche weiter zu verwenden. Durch diese Zubereitung bekommt der Tofu einen angenehmen Biss und eine leckere Würze, die tatsächlich zu fast allem passt.
Ich habe auch schon einmal 400 g so zubereiteten Tofu peu à peu aus dem Kühlschrank weggenascht, bevor er seinem eigentlichen Verwendungszweck zukommen konnte - oops! :)

Gebratener Tofu


Da der fertige Tofu abermals geschnitten werden kann, empfehle ich eine Form die sich einfach braten und wenden lässt, wie z.B. die abgebildete.
Ähnlich wie bei Bratkartoffeln rate ich dazu, nur so viele Tofustücke in die Pfanne zu geben, wie auch Bodenkontakt haben und im Zweifel mehrere Fuhren nacheinander zu braten. Das Ablöschen mit Sojasauce sollte dann erst geschehen, wenn alles gebraten ist und am Schluss noch einmal zusammen in die Pfanne geworfen wird (wegen der am Ende des Posts erwähnten schnell anbrennenden Sojasaucenrückständen).

Zutaten:

  • Tofu, in beliebige Form geschnitten
  • etwas neutrales Pflanzenöl
  • etwas Sojasauce (kein Salz, kein Pfeffer - nur Sojasauce)


Zubereitung:

  • Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen.
  • Je nach Form Tofu von allen/beiden Seiten goldbraun anbraten.
  • Mit wenig Sojasauce ablöschen, so dass der Tofu beim anschließenden Wenden darin von allen Seiten leicht benetzt wird.
  • Kurz weiterbraten (bei mir meist etwa 20 Sekunden).
Vorsicht: Aus der richtigen Menge Sojasauce ist das Wasser schnell verdampft und was zurückbleibt verbrennt schnell. Ein bisschen kräftiges Bräunen ist aber erwünscht.

vegane Brühe

Anstatt in jedem Post erneut zu erwähnen, welche Brühesorten sich laut Produktanfragen und dergleichen als vegan herausgestellt haben und im Falle von Änderungen dann Hunderte von Posts ändern zu müssen, habe ich mich entschieden, dafür einen eigenen Post anzulegen.

vegan sind u.a. (Stand: 7.12.2012):


  1. PENNY Klare Delikatessbrühe (laut Antwort auf unsere Anfrage)
  2. PENNY Klare Gemüsebrühe (laut Antwort auf unsere Anfrage)
  3. MAGGI Klare Gemüsebrühe u.a. (laut MAGGI Allergenliste)


Zutaten und Antworten auf Produktanfragen:


1. Penny Delikatessbrühe
Zutaten:
Jodsalz (Salz, Kaliumjodat), Speisewürze, Würzgemüse und Kräuter (Zwiebeln, Pastinaken, Lauch, Karotten, Petersilie, Liebstöckelblätter), Maisstärke, Palmfett, Zucker, Muskatnuss, natürliches Aroma, natürliche Gewürz-Aromen (enthalten Sellerie), Trennmittel Siliciumdioxid.
Kann Spuren von Gluten, Ei, Milch, Senf und Sesam enthalten.


2. Penny Klare Gemüsebrühe
Zutaten:
Jodsalz (Salz, Kaliumjodat), Maisstärke, Würzgemüse und Kräuter (12%) (Zwiebeln, Pastinaken, Lauch, Karotten, Petersilie, Liebstöckelblätter), Zucker, Palmfett, Speisewürze, Gewürze, natürliches Aroma, natürliche Gewürz-Aromen (enthalten Sellerie).
Kann Spuren von Gluten, Ei, Milch, Senf und Sesam enthalten.

1. & 2. Antwort der REWE Group auf unsere Produktanfrage:
"[...]Aufgrund Ihrer Anfrage teilte uns der Hersteller mit, dass die Penny Delikateßbrühe (1286736-M4004) und die Penny Klare Gemüsebrühe (001286733-M4004) rezepturgemäß für eine vegane Lebensweise geeignet wäre. Jedoch kann ein Vorlieferant Kreuzkontamionationen mit Ei und Milch nicht ausschließen[...]

3. MAGGI Klare Gemüsebrühe
Zutaten:
Jodsalz, Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, pflanzliches Fett, Hefeextrakt, 4,2 % Gemüse (Zwiebeln, Lauch, Karotten, Tomaten), Gemüseextrakte (Lauch, Paprika, Sellerie), Gewürze, Kräuter, Aroma.
[Spuren: Eier,Weizen, Soja, Milch, Senf]
Impressum